Eltern mehrerer Kinder kennen die Situation: Lautes Geschrei, einer bockt, der andere weint… Die Schuld wird vehement auf den/die Mitstreitenden geschoben und als Erwachsener hat man nun die Aufgabe zu schlichten. *Ächz*
Einerseits will man den Kids ja beibringen, Konflikte verbal beizulegen. Auf der anderen Seite war man weder Zeuge, noch erschließt sich aus den Erzählungen komplett was wirklich passiert ist (Ausser
vielleicht, dass eigentlich keiner an irgendwas schuld sein will).
Genau für diese Situation haben wir jetzt den sogenannten “Indianerrat” erfunden und es funktioniert geradezu unglaublich gut. Und es ist sooo einfach :)
WTF?
Die Grundidee ist eigentlich ganz einfach. Statt wie in der Vergangenheit die Kids aufzufordern miteinander zu reden und vielleicht sogar zu schimpfen weil der eine rumpampt und der andere wütend ist setzen wir auf einen moderierten Gesprächskreis.
Jedes Familienmitglied kann einen Indianerrat ausrufen und damit den Prozess anstossen. Wenn das passiert, setzen wir uns alle in einem Kreis auf dem Boden zusammen und das Gespräch beginnt mit demjenigen der den Indianerrat gestartet hat. Ausserdem gelten ein paar Regeln:
Im Indianerrat wird nicht geschimpft und keine Strafe ausgesprochen. Hier Besprochenes hat keine disziplinarischen Konsequenzen.
Es spricht immer nur ein “Indianer” und er richtet das Wort an nur eine Person. Die wird direkt angesehen und alle anderen hören zu. Eine kleine Figur dient dazu, das Wort zu erhalten. Wer diese Figur hält, darf reden. Will jemand anders etwas sagen, muss er warten bis ihm die Figur gegeben wird oder versuchen, sie durch Geste zu bekommen.
Wir Erwachsene moderieren indem wir immer mal wieder das Wort ergreifen um Gesagtes zusammenzufassen oder Vorschläge zu machen, was die Kinder denn jetzt formulieren könnten. Dabei versuchen wir möglichst neutral zu bleiben.
Hm…?
Insgesamt haben wir sehr sehr gute Erfahrungen damit gemacht:
- - Die Kids lernen zu formulieren und sich in den anderen reinzuversetzen.
- - Getroffene Vereinbarungen haben mehr Gewicht, da sie nicht von uns diktiert sondern zwischen ihnen selbst getroffen werden.
- - Es hat eine sehr entspannende Wirkung nicht mehr in der schlichtenden (und irgendwie am Streit beteiligten) Rolle zu sein sondern stattdessen nur dafür zu sorgen, dass ein Gespräch stattfindet :-)
- Letztens hatten wir sogar schon den Fall, dass die Jungs einen Indianerrat auf eigene Regie durchgeführt haben als es darum ging, dass einer von ihnen einen Türrahmen angemalt hatte und niemand es gewesen sein wollte. Unser Angebot an sie war dann, dass sie die Sache im Indianerrat besprechen können. Sollte sich dabei einer der Drei durchringen, sich bei uns zu melden, gibt es keinen Ärger und die Sache endet damit, dass derjenige die Malerei entfernt. Für den Fall, dass nach wie vor niemand es gewesen sein wollte, kündigten wir an, allen drei mit einer Sonderaufgabe zu “bestrafen”.
Das Ende vom Lied: Nach 20 Minuten kam einer der Jungs an, wir lobten ausgiebig für den Mut, den er bewiesen hatte, er reinigte den Türrahmen und alle waren happy :-)
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