Social Science ist manchmal wirklich sehr faszinierend… Gerade habe ich über Hans Monderman gelesen, einen niederländischen Verkehrsplaner. Er hat in den Projekten, die er gestaltete das Konzept der “shared street” entwickelt, was im Wesentlichen bedeutet, er vertrat die Auffassung, dass Strassen und Kreuzungen sicherer sind wenn sie keine Linien, Hinweisschilder, Ampeln etc. enthalten.
Im Gegenteil: Strassen sollten gleichberechtigt von Fußgängern, Autofahrern oder sogar Skateboardern (sic!) genutzt werden was die Verkehrsteilnehmer dazu zwinge, ihre Absichten und Regelungen verstärkt selbst auszuhandeln.
Bei Tests kam dann auch heraus, dass das hervorragend funktionierte. Sämtlicher Regeln beraubt wurden die Verkehrsteilnehmer nicht nur vorsichtiger (sprich: langsamer und aufmerksamer). Nein, sie suchten auch verstärkt Augenkontakt zueinander und der Verkehr regelte sich weitgehend automatisch. Die Zahl der Unfälle ging zurück.
In dem Artikel, den ich gerade dazu gelesen habe, gab es dann auch ein paar wirklich interessante Statements dazu:
“If you treat drivers like Zombies, they’ll behave like zombies”… was heissen soll: wenn man Verkehrsteilnehmern beibringt, sich blind an Regeln zu halten, hören sie auf selbst nachzudenken und der Unfall folgt auf dem Fuße… Kling einleuchtend irgendwie. Ich frage mich, ob sich dieser Gedanke nicht auch auf andere Bereiche wie HR, Leadership und generelle Unternehmensprozesse ausdehnen läßt. Nach dem Motto: Je mehr Regeln und je detaillierter diese sind, desto weniger Eigenintelligenz wird von den ausführenden Organen investiert…
oder auch sehr schön…
“wenn Sie eine Strasse entlangfahren und ein Schild sehen auf dem ‘Fußgänger beachten’ steht, sagt Ihnen das im Prinzip, dass sie wohl dumm sein müssen, denn nur einem Idioten muss man extra sagen, dass er auf Fußgänger achten muss”. Gefährlich wirds dann wenn die Leute anfangen, nur noch auf Schilder zu achten und nicht mehr ihren eigenen Instinkten folgen.
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