The Jelly Donut - Dirk geekin' out

I demand reality 2.0 with unlimited undo!

Die Anti- “Brokoli, Spinat, Zucchini, etc. ist ja so eklig”-Initiative

June 06
by Dirk 6. June 2010 21:06

Kinder… sind sie nicht grossartig?
Wunderbare Geschöpfe…
neugierig, experimentierfreudig, aufgeschlossen…

…besonders wenn es um so brilliante Ideen geht, wie die Wirkung einer Schraube auf das Interieur des Familienautomobils auszutesten oder auszuprobieren ob Schnecken eigentlich schwimmen können.

Diese Experimentierfreude nimmt jedoch ein sofortiges Ende wenn es ums Essen geht. Kam in unserem heimatilichen Idyll etwa die Frage nach dem Essen auf, sahen Dialoge oft so aus:

Wir: Na, Jungs, was essen wir denn morgen?

Flo: Spaghetti!
Bastian: Hackfleisch-Oliven-Auflauf!
Benjamin: Pfannkuchen!
Bastian: Igitt… Pfannkuchen mag ich nicht!
Flo: Ok, doch Spaghetti!

Wir: Aber die gabs doch gestern erst…

Flo: Und Hackfleich-Oliven-Auflauf?
Wir: seufz
Bastian (noch bei der Spaghetti-Frage): Echt? Weiss ich gar nicht mehr…

Wir (motivierend): … wir wärs denn mal mit was anderem? Wir haben frische Zucchini gekauft.

Die Kids (im Chor): Wäääääh, Zucchini… das ist ja sooo eklig!

Wir (leicht genervt): Ist ja nur eine Zutat in der Gemüsebeilage

Bastian: Aber keinen Brokoli! Ich haaaaaasse Brokoli…
Flo: Ja, der ist voll eklig.
Ben: Und Pilze…
Buzzy: …und Spinat
Benjamin: Ich möchte Pfannkuchen!

usw. usf.

Je nach Tageslaune war die Liste der Dinge, die sie angeblich nicht essen wollten echt lang:

Pilze, Zucchini, Pizza, Käse, Brokoli, Aubergine, Pfannkuchen, Zwiebel, Spinat, Rosenkohl, Blumenkohl …

Stand unbekanntes Essen am Tisch, wurde auch mal gerne noch lange vor dem ersten Bissen laut protestiert und anschließend (den Teller in ein Schlachtfeld verwandelnd) aussortiert was man angeblich ja noch nie hatte essen wollen.

Irgendwann waren wir’s wirklich leid...

Letzte Woche kam es dann zur Generaldiskussion…
(Irgendwann werden uns die Jungs erzählen, diese Standpauken waren es was sie zum Massenmörder oder BMW-Fahrer mutieren ließ, aber ein guter Therapeut wird ihnen sicherlich über dieses Trauma hinweghelfen :-)

… und zu einem Beschluss … (wir hatten gewissermassen einen “Meinungsaustausch” ]:->

Wir erklärten ihnen, dass diese Art Verhalten (Essen pauschal ablehen, laut “Iiiiiih” krähen, also das Was-Der-Bauer-Nicht-Kennt-Isst-Er-Nicht-Syndrom) nicht mehr akzeptabel sei und erklärten ein letztes mal, warum nicht…

… und stellten neue Regeln auf:

  1. In Zukunft wird regelmäßig völlig Unbekanntes gekocht. Die Auswahl der Rezepte findet gemeinsam statt.
  2. Einkaufen und Kochen ist ebenfalls ein Familienevent.
  3. Jedes Kind bekommt eine überschaubare Portion aufgetischt.
  4. DIE.WIRD.AUFGEGESSEN! Komplett und ohne Sortiererei.
  5. Diese erste überschaubare Portion (wir halten die wirklich eher klein) qualifiziert für den Nachtisch. (Erpressung hat noch immer geholfen)
  6. Geht irgendwas mal partout nicht, besteht die Alternativmalzeit aus Butterbrot. (kam noch nicht vor)

Jaja, ich weiss… wir sind Rabeneltern. Arbeiten mit Erpressung und so… Aber was soll ich sagen? Diese Woche haben wir in der Tat jeden Tag etwas anderes gegessen. Und die Jungs sind voll bei der Sache, keiner kräht mehr und inzwischen geben sie bereitwillig zu, dass Spinat, Brokoli und Zucchini doch wirklich lecker zubereitet werden können.

Unsere Kochliste diese Woche:

  • Indisches Hähnchen mit Spinat
  • Fettuccini mit Brokoli
  • Gebackener Kabeljau mit Tomatenpaste, dazu Melonen-Avocadosalat mit Garnelen
  • Lachs mit tropischen Früchten
  • Cuscus mit Garnelen und Minze
  • Tabbuleh mit Lachs
  • Gegrilltes Rosmarien-Hänchen, dazu Sommersalat mit Melone

Das einzige, was nicht so gut ankam war der Lachs mit tropischen Früchten. Aber auch der wurde gegessen und ich lebe inzwischen in einem Gourmet-Patchwork :-)

Mission accomplished!

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Wenn sie Dich nur einmal anlächeln…

April 28
by Dirk 28. April 2010 21:13

Neulich, 8h morgens, vier Stunden vor Ablauf der finalen Deadline für die Abschlußarbeit des Business Science Kurses. Meine Liebste(tm)  und ich sind im Begriff das Haus zu verlassen als mich ein klingelndes Telefon zurückkommandiert (ich gehöre zu den Menschen, die Telefonklingeln nur schwer ignorieren können, aber ich arbeite daran).

Am anderen Ende Beth (Name geändert, der Redaktion aber bekannt :-)… eine sehr liebe Studienkollegin, ihres Zeichens chronisch deadline-verschiebende britische Wahl-Bayerin mit 12-jährigem Sohn… in diesem Augenblick offensichtlich hart an der Nahtoterfahrung.

Beth: “Dirk, it’s Beth…”
Ich (erfreut): “Oh, hi Beth! How are you doing? Finishing your ECA, I suppose?”
Beth: “Ah… yes… kind of… Dirk, PLEASE, you NEED to help me…”

Ich: “?”

Beth (zitternde Stimme): “I still need to finish the last question and I haven’t posted it yet… But that’s not why I’m calling… The thing is: My son just came to me this morning and asked if he can google something quickly before he will leave for school…”

(mir schwant übles, versehentlich gelöschte 2200-wort Dokumente tauchen vor meinem geistigen Auge auf, Netzwerkfehler grinsen mich an…)

Beth: “… he said he knows that mommy needs to finish her paper badly and promised just to look up some trick he read about at schüler-vz…”

(gesperrte Useraccounts, nicht hochfahrende Rechner, von Virenscannern “gereinigte” Office-Dokumente?)

Beth: “… and NOW EVERYTHING IS FLIPPED UPSIDE-DOWN!!!”

(häh?)

Ich: “… you mean…”

Beth (hektisch): “… literally! I can log-on, I can open menus, but everything is flipped!”

(hektisches getippe ist zu hören)

Beth: “There it is! My paper! UPSIDE DOWN! I can’t work like this! Dirk, PLEASE, we tried everything but we didn’t manage to undo it! And now my son had to leave for school… AND I HAVE A PAPER TO FINISH!”

(ich fahre meinen Rechner hoch um kurz mal selbst nach dem “Trick” zu suchen)

Beth (nackte Panik in der Stimme): “WHEN I MOVE THE MOUSE LEFT, THE CURSOR MOVES RIGHT!!! I CAN’T WORK LIKE THIS!!!!!”

(ich frage welches System sie nutzt und beschreibe ihr wie sie den Einstellungsdialog der Grafikkarte findet, sie flucht weil überkopf zu arbeiten natürlich nicht so einfach ist…)

Beth: “I even tried to flip the whole computer”

(Visionen von im Kopfstand arbeitenden Studenten tauchen in meinem Kopf auf… Verdammte Comic-Phantasie… Ich versuche sie zu beruhigen während ich weitersuche und warte, dass sie den Dialog geöffnet hat)

Ich: “Beth, you know, this is the kind of anecdote you’re going to tell anybody with a smile”

Beth (grimmig): “Yeah, I’m gonna laugth really hard about this in 100 years but NOT. QUITE. NOW.”

(Ich muss zugeben, ich hatte ein wenig Probleme bei allem Verständnis nicht zu lachen – sorry, Beth – aber dann fand ich zum Glück auch schon den Hotkey mit dem man den Bildschirm drehen kann…)

Der “Trick” den ihr Sohn gefunden hatte war wie man den Bildschirm unter Windows per Tastendruck drehen kann. Natürlich wollte er diese lustige Erkenntnis mit seiner Mutter teilen und wählte dazu den Zeitpunkt an dem die garantiert keine Verzögerung brauchen kann… Schon gar nicht die Art Verzögerung die entsteht wenn man vergessen hat nachzuschauen wie man diese “lustige Änderung” wieder rückgängig macht. Nach vereinten panischen Korrekturversuchen musste er dann irgendwann in die Schule und Beth rief mich an.

Woher nehmen Kinder eigentlich dieses Talent zum perfekten falschen Zeitpunkt für Ihre Einfälle?

Aber seis drum… denn… wer würde mir nicht zustimmen wenn ich sage “Aber wenn Sie dann einmal lächeln…”

:-)

Und die Auflösung des Rätsels ist übrigens… (wenn der Treiber es unterstützt):

Ctrl + Alt + Arrow up
Ctrl + Alt + Arrow down

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Indianerrat

February 26
by Dirk 26. February 2010 12:27

Eltern mehrerer Kinder kennen die Situation: Lautes Geschrei, einer bockt, der andere weint… Die Schuld wird vehement auf den/die Mitstreitenden geschoben und als Erwachsener hat man nun die Aufgabe zu schlichten. *Ächz*

Einerseits will man den Kids ja beibringen, Konflikte verbal beizulegen. Auf der anderen Seite war man weder Zeuge, noch erschließt sich aus den Erzählungen komplett was wirklich passiert ist (Ausserimage vielleicht, dass eigentlich keiner an irgendwas schuld sein will).

Genau für diese Situation haben wir jetzt den sogenannten “Indianerrat” erfunden und es funktioniert geradezu unglaublich gut. Und es ist sooo einfach :)

WTF?

Die Grundidee ist eigentlich ganz einfach. Statt wie in der Vergangenheit die Kids aufzufordern miteinander zu reden und vielleicht sogar zu schimpfen weil der eine rumpampt und der andere wütend ist setzen wir auf einen moderierten Gesprächskreis.

Jedes Familienmitglied kann einen Indianerrat ausrufen und damit den Prozess anstossen. Wenn das passiert, setzen wir uns alle in einem Kreis auf dem Boden zusammen und das Gespräch beginnt mit demjenigen der den Indianerrat gestartet hat. Ausserdem gelten ein paar Regeln:

imageIm Indianerrat wird nicht geschimpft und keine Strafe ausgesprochen. Hier Besprochenes hat keine disziplinarischen Konsequenzen.

imageEs spricht immer nur ein “Indianer” und er richtet das Wort an nur eine Person. Die wird direkt angesehen und alle anderen hören zu. Eine kleine Figur dient dazu, das Wort zu erhalten. Wer diese Figur hält, darf reden. Will jemand anders etwas sagen, muss er warten bis ihm die Figur gegeben wird oder versuchen, sie durch Geste zu bekommen.

imageWir Erwachsene moderieren indem wir immer mal wieder das Wort ergreifen um Gesagtes zusammenzufassen oder Vorschläge zu machen, was die Kinder denn jetzt formulieren könnten. Dabei versuchen wir möglichst neutral zu bleiben.

 

Hm…?

Insgesamt haben wir sehr sehr gute Erfahrungen damit gemacht:

  • - Die Kids lernen zu formulieren und sich in den anderen reinzuversetzen.
  • - Getroffene Vereinbarungen haben mehr Gewicht, da sie nicht von uns diktiert sondern zwischen ihnen selbst getroffen werden.
  • - Es hat eine sehr entspannende Wirkung nicht mehr in der schlichtenden (und irgendwie am Streit beteiligten) Rolle zu sein sondern stattdessen nur dafür zu sorgen, dass ein Gespräch stattfindet :-)
  • Letztens hatten wir sogar schon den Fall, dass die Jungs einen Indianerrat auf eigene Regie durchgeführt haben als es darum ging, dass einer von ihnen einen Türrahmen angemalt hatte und niemand es gewesen sein wollte. Unser Angebot an sie war dann, dass sie die Sache im Indianerrat besprechen können. Sollte sich dabei einer der Drei durchringen, sich bei uns zu melden, gibt es keinen Ärger und die Sache endet damit, dass derjenige die Malerei entfernt. Für den Fall, dass nach wie vor niemand es gewesen sein wollte, kündigten wir an, allen drei mit einer Sonderaufgabe zu “bestrafen”.

Das Ende vom Lied: Nach 20 Minuten kam einer der Jungs an, wir lobten ausgiebig für den Mut, den er bewiesen hatte, er reinigte den Türrahmen und alle waren happy :-)

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